Serie: Nachtbilder Technik: Öl auf Karton Information: Gedanken zur Serie |
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Das große, 18-teilige Bildtableau “Nachtbilder” ist Wenzels süffisante De-Hommage einer klinischen Heimat, eines von politisierter Sportivität und kommerzialisierter Gesundheit getränkten Landes. Die farblichen Insignien (meist in Grün- oder Gelbtönen) der Soft-Medizin kommen hier in einer malerischen Reaktion des Aufbegehrens zu extrovertierter Verwendung – ja, fast Verschwendung.Wenzel, der seit Jahren im sogenannten Luftkurort Bad Bleiberg lebt und infolgedessen zur Genüge stigmatisiert ist, lässt die apitalfreundliche Appetitlichkeit jeder Art von Wellness im Bodensatz eines grünlichen, parasitenhältigen Schleims versinken, der sich wie der süße Brei aus dem Grimm‘schen Märchen über alles hinbreitet und somit das antiseptische Kärntenbild in einer künstlerischen Algenpest erstickt. Denn es ist ja in erster Linie ein Bildstreit, den Wenzel hier ausficht, weil er auch in der Malerei gegen jene Konstruiertheit ankämpft, die in der Vorgeblichkeit von Werten besteht. Die psychologische Peripherie des Kulturbetriebs interessiert ihn genausowenig wie die Suggestivität einer schöngeredeten Kunst. Seine Malerei will keine Heimeligkeit verstrahlen, sondern den intellektuellen Connaisseur beunruhigen und den ästhetisierten Betrachter verdutzen. Sie ist ungestüm und schmutzig und steckt voller virulenter Bakterien, weil das Leben auch so ähnlich beschaffen ist. Wenzel rührt in der Ursuppe, um die Buchstabenfolge der Einlage wieder zu verwischen, die bereits zu Bedeutungen auskristallisiert war. Die Benützbarkeit dieser Bedeutungen verwirft er zugunsten einer experimentellen Situation, in der das Große klein, das Kleine groß, das Schöne grauslich und das Marode wunderhübsch auftreten darf. Die Welt in seinen Bildern kann solcherhand nochmals und immer wieder neu entstehen, sie muss nicht gesund sein, gesund gemacht, revitalisiert oder gar geliftet werden. Wenzel malt mit originärer Kraft gegen die Entropiegefährdung der Kunst an, die im ständigen Verweis auf sich selbst liegt. Das Ursprüngliche der Kunst ist sein künstlerisches Credo: und das wörtlich, denn es soll schon ein bisschen springen in seiner Malerei. © by Michael Kos |